„Jeder kann sich für alles entscheiden. Man muss nur die Konsequenzen tragen.“

Mit diesem Ausspruch beendete der eingeladene Zeitzeuge Rainer Müller unsere überschaubare Gesprächsrunde am 24. September.

Anlässlich des 20. Jahrestages der friedlichen Revolution hatte Frau Förtsch dieses Treffen initiiert und ihre Unterrichtszeit zur freien Konversation bereit gestellt. So berichtete der damalige Widerständler angeregt durch unsere zahlreichen Fragen nicht nur vom „Gefängnis DDR“, sondern erläuterte auch seinen Aktivismus näher, der sich beispielsweise durch die Verweigerung der Jugendweihe und des Wehrdienstes auszeichnete.

Bereits im jugendlichen Alter lehnte Herr Müller sich gegen diese „Bande von Räubern und Verbrechern“ auf und nahm auch später an einer Vielzahl von Demonstrationen teil, um „sich einfach nur zu wehren“. Beim ausschweifenden Beantworten der Frage nach seinen persönlichen Eindrücken referierte er rege und man erhielt den Eindruck, dass er auch heute noch, 20 Jahre später, eine enorme Wut in sich trägt über die fehlenden Zählungen der Toten. Auch beim Erläutern der Ungerechtigkeit der ausgebliebenen Abrechnung mit der SED-Regierung, welche er als „Verbrechergruppe“ charakterisiert, wird der Zorn des sonst so ruhig scheinenden Mannes deutlich. Sein erklärtes Lebensmotto „Man kann alles ändern“ spiegelt sich folglich also nicht nur in seiner Auflehnung gegen das DDR-Regime wider, sondern ist auch heutzutage noch klar erkennbar. So engagiert sich der 1966 Geborene einerseits in der Partei „Neues Forum“ und verleiht seinem Widerstand gegen unsere Konsumgesellschaft andererseits auch im privaten Kreis Ausdruck. Dieses hohe Maß an Aktivität brachte dem Familienvater damals allerdings auch zahlreiche Schwierigkeiten, da er minutiös vom Ministerium für Staatssicherheit observiert wurde.

Dank der freundlichen Unterstützung von Frau Teubner, sowie Frau Krätzer von der Gauck-Behörde war es uns in kleinen Gruppenarbeiten möglich, einen Blick in solche Stasi-Akten zu werfen.

Auch im folgenden Referat von Frau Teubner über die Handlungen des Ministeriums für Staatssicherheit erfuhren wir viele interessante und erschreckende Details. Deswegen möchte ich mich hiermit wiederholt für die informative Zusammenarbeit bedanken, da diese Aufarbeitung unseren momentanen Unterrichtsstoff rund um das Thema Freiheit gut ergänzte, erweiterte und vor allem bereicherte.

Abschließend kann ich also resümieren, dass die Projektarbeit meines Erachtens sehr Gewinn bringend war, da wir, eine Generation ohne eigene DDR-Erfahrung, uns das damalige Ausmaß an Unterdrückung, Einschränkung und Reglementierung heutzutage nur noch schwer vorstellen können. Folglich regten die Erzählungen über diese repressive Freiheitsberaubung unseren Kurs zum Nachdenken an und uns wurde bewusst, dass wir uns ohne den Mauerfall nicht nur gedanklich, sondern auch äußerlich heute keinesfalls so frei entfalten und ausdrücken könnten und dürften.

Luise Rademacher