Ein großer Wurf – ReclamsClub Numero 4

"Guten Abend/ und herzlich willkommen,/ hier in Leipzig/ zu diesem Abendprogramm…" – mit Verve und Pep begann so das Entree (am Flügel sowie Gesang: als Gast Johannes Tunger) für ReclamsClub.4, zu dem Moritz Wußing und Tom Schremmer eingeladen hatten.

Bereits dieses Entree wurde nicht nur durch einfachen Gesang dargeboten, sondern war sehr durchdacht arrangiert: Zunächst vollständig hörbar, wurde der Begrüßungstext dann aber zunehmend zurückgenommen – zu einzelnen Satzteilen, zu einzelnen Worten, zu Wortelementen, bis er schließlich zu einem leisen Murmeln und dann Pfeifen der Melodie verkam.

Das hohe Niveau im Choreographischen des Programms setzte sich auch über die nächsten Stunden fort, sodass keiner auf die Uhr schaute und auch keinen mehr der angekündigte Block von 2 x 45 Minuten Spieldauer interessierte - zu sehr fesselten die Darbietungen, zu sehr folgte qualitativ hochwertiger musikalisch-literarischer Paukenschlag auf Paukenschlag.

Das Konzept der Macher, mehr als bisher Gäste, darunter vor allem auch Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums, in das Programm einzubeziehen, ging sehr gut auf. Der  Club-Charakter wurde exzellent bedient und sollte für künftige Programme richtungs-weisend sein.

Alle eingeladenen Akteure aus der Schülerschaft des Reclam-Gymnasiums waren für das überaus zahlreich erschienene Publikum eine Überraschung, da sie bisher noch nie vor heimischem Publikum in dieser Form öffentlich aufgetreten waren: ob Leonhard Hugger (Kl. 10) mit dem Monolog von Karl Moor aus Schillers "Die Räuber", Thomas Duesmann (Kl. 11) mit der Eigenkomposition "Sommerregen" auf der Gitarre, Lois Muth (Kl. 11) mit dem selbst verfassten Monologstück "Forderung" oder Marcel Tobias Schreiber (Kl. 11) mit einer Parodie auf Sendungsformate des Privatfernsehens.
Nicht zu vergessen der – wiederholt eingeladene – Gast Attila Trischan als Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki, der durch seine Zwischenauftritte im Running Gag-Stil für Witz und Humor sorgte.

Tom und Moritz waren bei ReclamsClub Numero 4 aber nicht nur federführend durch Regie, Idee und Choreographie, sondern überzeugten selbst künstlerisch durch eigene brillante Solo-Auftritte: Moritz Wußing z. B. durch seine musikalischen Parodien wie "What a Wonderful Krim" im Louis "Satchmo" Armstrong-Stil oder die Parodie auf den Songtext "Freiheit" (Marius Müller-Westernhagen), mit denen aktuell-politische Bezüge zur Krim-Krise geschaffen wurden. Aber auch – oh, fast hätte das Publikum geglaubt, Herbert Grönemeyer wäre tatsächlich daselbst anwesend! – durch seine musikalische Präsentation des "Faust" in Kurzfassung á la Herbert Grönemeyer: nuschelnd, in typisch quäkender und markant schroffer (Grönemeyer-) Stimme. Bravo! Aber auch mit seinem Nico-Semsrott-Auftritt und seiner Rezitation eines zeitgenössischen "Lyrik"-Textes unterstrich er wiederholt, dass er im Führungsduo von ReclamsClub für den Bereich des Kabaretts steht.

Dass Tom Schremmer gut Comedy "kann", das war bekannt. Das zeigte sich auch hier wieder in der herrlich überhöhten Tunten-Nummer (zusammen mit Attila Trischan) sowie in seiner Leidensgeschichte eines Leipzigers, der gegenüber der Wohnung eines bei offenem Fenster ständig übenden Schauspielers wohnt ("Mein Vater, bettlergleich,…"). Aber an diesem Abend präsentierte sich Tom auch überzeugend mit dem gefühlvoll vorgetragenen Gesangssolo "Gold vor den Sternen" aus dem Musical "Mozart" (mit eigener Begleitung am Flügel). Gänsehaut-Feeling kommt auf. Hier ist man sich sicher: Tom könnte auch den Song "Ich bin Musik" (auch aus "Mozart") singen (nomen est omen!).

Überraschend immer wieder, wie gekonnt das Dreamteam Moritz und Tom die Fäden führt und auch selbst die Feder geschwungen hat. So z. B. bei der originellen Erklärung und dem sich anschließenden "Aufräumen" von Werken der Bildenden Kunst (Moritz), Toms Imitationen zu Sendungen des Privat-Fernsehens sowie beider Interpretation von Plakaten zum Thema "Guter Unterricht ist für uns…", die im Flur der 1. Etage des Reclam-Gymnasiums hängen.

Beeindruckender Schlussteil: Während das Entree durch zunehmende Zurücknahme des Gesangs gestaltet worden war, erfährt das Finale ein dazu kontrastierendes Arrangement. Beethovens Komposition "Für Elise" wird erweiternd zelebriert: Erst wird sie von einem der Akteure auf dem Klavier gespielt (Moritz), dann gesellt sich ein Tuba-Spieler dazu (André Piesch), danach wird das Stück rhythmisch begleitet (Attila) sowie durch Spiel auf dem Flügel erweitert (Johannes Tunger). Und immer mehr scheinbar nur "normale" Zuschauer aus dem Publikum treten spontan auf die Bühne, die sich aber letztendlich als versierte Gitarrenspielerin, Violinistinnen und Sängerinnen erweisen. "Elise" geht über in ein gemeinsames "Hit the road Jack" (Ray Charles), das Sogwirkung hat und in eine kollektive Euphorie mündet. Man möchte so gern da vorn auf der Bühne mitmachen und Teil dieses lebendigen musikalischen Kunstwerkes sein, doch uns da unten bleibt nichts anderes übrig, als unsere Freude und Begeisterung durch rhythmisches Klatschen (von den meisten auf 1 und 3, da kann Moritz noch so hektisch mit den Armen wedeln, um zu zeigen, dass man doch bitte auf 2 und 4 klatschen möge!) und Aufstehen von den Plätzen kundzutun: Hej, es gefällt uns sehr, was ihr da oben macht!

Riesiger Applaus und stürmischer Jubel zum Schluss für alle und für jeden einzelnen der Mitwirkenden. Die Zugabe von "Au claire de la lune" (Moritz, Tom, Thomas) lädt zum Mitsummen und leisen Mitsingen ein. Gefragt nach einem Wunsch für eine allerletzte Zugabe wird aus dem Publikum spontan ein Gitarrensolo von Thomas Duesmann genannt. So beschließen mit "Your peace within me" (Eigenkomposition) leise Klänge einen beeindruckenden Club.4 - Abend.

Angetreten zur "Wiedergutmachung" (s. Einladung, Homepage des Gymnasiums) lässt sich resümieren: Bestens wiedergutgemacht! Auch das eigene "Hops"-Nehmen und der offene Umgang mit der Kritik zeigten: D i e  können das!

Beiden Regisseuren und Hauptakteuren, dem Dreamteam Moritz und Tom, mit ihren Gästen ist mit dem Programm von ReclamsClub.4 ein großer Wurf gelungen und in den Jubel darüber stimme ich sehr gern ein!

Chapeau! Und: weiter so!                                    Dr. Marianne Fritz

SchweizSPECIAL am 11. März 18 Uhr

Moritz (Wußing) und Tom (Schremmer) haben uns wieder auf der kleinen, aber feinen Bühne im Kulturcafé Plan B mit ihren vielen Talenten gekonnt überrascht.

Hier die ersten Impressionen:

ReclamsClub auf der Leipziger Buchmesse

Die März-Ausgabe des ReclamsClub ist in die diesjährige Leipziger Buchmesse eingebunden. Das Programm dazu können Sie sich hier herunterladen.

Vor Beginn des Kabaretts fand eine Lesung der Buches "immehr" der Schweizer Autorin Henriette Vásárhelyi statt.

8. Januar 2014

WeihnachtsSpecial - Der Absurditäten kein Ende

Der Einladung sind erstmals auch mehrere Ehemalige gefolgt, Christoph Max, Abi-Jahrgang 2002, war begeistert und sofort bereit, eine Rezension zu schreiben

Zweite Auflage von ReclamsClub brennt zum Jahresende Kleinkunst-Feuerwerk ab

Die Zeit unmittelbar nach Weihnachten ist wohl am ehesten dazu geeignet, den Absurditäten sozialer Rituale einerseits, des politischen Jahresgeschehens andererseits im Sinne einer Bilanz mit den Mitteln des Humors zu begegnen. Dies nahm denn das inzwischen eingespielte Team von ReclamsCLUB zum Anlass, am 28. Dezember 2013 ins Leipziger Kulturcafé „Plan B“ zu einem kabarettistischen Jahresausklang einzuladen.

Und die Künstler zündeln nicht lange herum, sondern brennen ein wahres Feuerwerk aus Anekdoten, Lesungen, Gesangseinlagen und Imitationen ab, bei dem von der Weihnachtsbaumbeschaffungshysterie über fiasköse Betriebsweihnachtsfeiern und gemeingefährliches Weihnachtsgebäck bis hin zu inhaltsleeren politischen Weihnachtsansprachen alle ihres Weihnachtszaubers entkleidet werden. Schwung- und eindrucksvoll reißen die Macher des Abends – Moritz Wußing und Tom Schremmer – das Publikum in mitunter persönlich erlebte Alltagssituationen, deren Absurditäten sie zielsicher mit mehr als nur Wortneuschöpfungen ansteuern. Die Technik, über Intonation, Sprechgeschwindigkeit und Lautstärke Spannungsbögen aufzubauen und nach kaskadenartigen Spotttiraden plötzlich ins Ruhig-Nachdenkliche abzufallen, beherrschen die jungen Künstler meisterhaft. Erfreulicherweise finden sie überhaupt zwischen allem Zetern und aller Anti-Haltung immer wieder zu leiseren, behutsameren Tönen zurück, z.B. wenn sie in aufrichtigem Gedenken an den kürzlich verstorbenen Dieter Hildebrandt dessen politische Version von „Der Mond ist aufgegangen“ verlesen oder über Lebensgefühl, Entwurzelung, Fremdsein und Beziehungen philosophieren.

Das Nummernprogramm lässt kaum Zeit zum Luftholen, ist mindestens so tempo - und abwechslungsreich wie der „Scheibenwischer“ zu seinen besten Zeiten – und das über immerhin schon nicht mehr öffentlich-rechtlich-kompatible zweieinhalb Stunden! Das liegt vor allem an der Bühnenpräsenz der beiden Zeremonienmeister Moritz Wußing und Tom Schremmer, die sich in ihrer Rolle augenscheinlich gefallen, diese aber auch immer wieder auf sympathische Weise selbstironisch brechen. Reizvoll auch die Kombination komplementärer Kabarett-Typen, die jedem Kabarett-Geschmack etwas bietet. Während Wußing den konsterniert-desillusionierten Weltenstauner in der erkennbaren Tradition von Hildebrandt/Rether gibt, sorgt Schremmer für einen jugendlich-temporeichen Comedian-Kontrast à la Dieter Nuhr. Mit einer Buddy-Mischung aus gegenseitigem Schulterklopfen und pointierten Sticheleien gibt sich das Duo die Klinke in die Hand und überbrückt die Pausen unverkrampft mit Wo-ist-mein-Text- und Wer-bekommt-welches-Mikro-Palaver, bei dem der Zuschauer – auch hier beste Hildebrandt-Tradition – nie wirklich zu sagen vermag, ob damit ein Regiedilettantismus humoresk überspielt werden soll oder ob das als spontan improvisiert ist. Die amüsanten, zwischen Gefühl und Selbstironie pendelnden Gesangseinlagen – passend zum Milieu in schwarzem Bass (Marc Tippmann) und mit lasziv-gehauchter Stimme (Susanne Langner) tonsicher vorgetragen – sorgen für beschwingte Verschnaufpausen in einem Textdauerfeuer, das die Aufmerksamkeit des Zuhörers in jeder Zeile fordert. Brillanter Höhepunkt ist schließlich die (etwas zu lange) musikalische Inszenierung der Weihnachtsgeschichte, Moritz Wußing, mal Herbert Grönemeyer, mal Udo Lindenberg, zeigte da mit erfrischender Leichtigkeit sein ganz großes Multi-Talent als Texter, Imitator, Sänger und Pianist.

Solches Talent sollte für ReclamsCLUB Anspruch und Ansporn zugleich sein. Anspruch, das Niveau zu halten, Fäkalhumor und die Person treffenden Spott behutsam und nicht als Selbstzweck einzusetzen, eben nicht wie der „Scheibenwischer“ irgendwann in die Comedy-Senke abzurutschen, sondern mit dem Intellektuellen-Blick das Absurd-Komische in Alltag und Politik immer wieder zu finden und augenzwinkernd mit den Mitteln der Wortkunst, der Analogie, der sprachlichen Pirouette vor Augen zu führen. Ansporn für die Künstler, weiter zu machen, aber ReclamsClub Wußings Wunsch nach breiterer Mitwirkung aus Reclam-Kreisen entsprechend offen zu halten. Denn wenn vielleicht auch nicht in der Dimension der beiden Ausnahmetalente Schremmer und Wußing, so dürfte doch unter Reclams Derzeitigen und Fossilien noch so manches Kleinkunsttalent zu finden sein, oder? Eine Bühne in stilvollem Ambiente in diesem wunderbaren Kulturcafé Plan B in der Härtelstraße ist für diese jedenfalls mit ReclamsClub geschaffen. Und so bleibt bei allen Absurditäten unserer Tage doch wenigstens die tröstliche Aussicht, dass das Zeitgeschehen auch im Jahre 2014 von Reclamianern regelmäßig mit niveauvollem Humor, Text, Musik und Witz begleitet und kommentiert werden wird.

Christoph Max

Gelungene Premiere des ReclamsClub - Kultur am Reclam

Die Premiere ist geglückt! Mit viel Applaus, Gejauchze und Gejohle ist am Dienstagabend (19.11.) der erste ReclamsClub zu Ende gegangen. Zwar waren nicht alle Plätze im Kulturcafé PlanB belegt, der Stimmung am Abend tat dies aber absolut keinen Abbruch - nein, ganz im Gegenteil.

Wir, die Zuschauer - eine bunte Mischung aus Schülern/Schülerinnen, Eltern, Lehrern/Lehrerinnen, unseren Sekretariatsmitarbeiterinnen und Ehemaligen - erlebten einen kurzweiligen Abend. Staunend, lachend, miteinander und übereinander, sind wir nun im Bilde und wissen...

  • ...die Zukunft heißt RECLAM 2 - die Revolution hat ihren Ursprung im Keller
  • ...der Appell am Morgen gilt dem neuen Gott FRANZ
  • ...dem modernen Unterricht von heute fehlen schlicht weg WERBEPAUSEN,
  • ...die Zukunft von "Knoppers - das Frühstückchen" liegt in den Händen unserer Hausordnung
  • ...die heimlichen Gewinner des Rückzugs sind Herr Hölzel und Herr Zürner
  • ...PPPPP steht für Putzige Professionelle Power Point Präsentation
  • ...PPPPP steht auch für Punktuell Philosophische Power Point Präsentation
  • ...warum wir besser schon morgens lachen sollten,
  • ...die WURSTBEMME wird ab jetzt mit neuen Augen betrachtet
  • ...was Dieter Bohlen mit einer Qualle gemeinsam hat,
  • ...(durch Gespräche nach der Veranstaltung) um die Vorzüge des Faschings.


Und? Neugierig? Dann einfach beim nächsten Mal, beim Weihnachts-Special des ReclamsClub dabei sein! Infos hierzu zeitnah wieder hier auf unserer Homepage.

Ein großes Kompliment an Moritz Wußing, Tom Schremmer, Leoni Farber, Raphael Nelkel und auch an Frau Eicke für die gelungene Premiere des ReclamsClub.