„Zeitzeugengespräche“

Veranstaltung „Zeitzeugengespräche“ am 8. September 2016 in der Bibliothek des Reclam-Gymnasiums

Am 8. September 2016 war Frau Alodia Witaszek, begleitet von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Maximilian-Kolbe-Werkes Frau Möhn, im Rahmen der Veranstaltung „Zeitzeugengespräche“ zu Gast in der Bibliothek. Vor etwa 55 Schülern der 10. bis 12. Klassenstufe und den entsprechenden Klassen- bzw. Kurslehrern berichtete die 78 jährige Referentin aus ihrem Leben.

Nachdem ihr Vater, der ein angesehener Arzt und Wissenschaftler an der Posener Universität war, als Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten hingerichtet worden war, wurde ihre Mutter verhaftet und die blonde und blauäugige Alodia als „rassennützlich“ von ihren vier Geschwistern getrennt und kommt in ein „Lebensborn“-Heim in Westpommern, wo sie den Namen Alice Wittke erhält. Als „Geschenk des Führers“ einer deutschen Familie zur Adoption übergeben, heißt sie nun Alice Luise Dahl und geht seit Herbst 1944 zur Schule. Ihre leibliche Mutter, die die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück überlebte, suchte zwei Jahre lang nach ihrem Kind und hatte kurz vor Weihnachten 1947 Erfolg: Alodia kehrt in ihre Familie zurück, muss aber ihre Muttersprache neu lernen. In all den Jahren hat sie jedoch den Kontakt zu ihrer deutschen Familie nicht aufgegeben. Frau Witaszek, die heute in Bydgoszcz/Polen lebt, sieht sich aufgrund ihrer Vita als ein „Kind mit zwei Müttern“.

Die sich an Ihre Ausführungen anschließenden Fragen seitens der Schüler beantwortete die Referentin, unterstützt durch Frau Möhn, gern, und freute sich persönlich über eine Schülerin der Klasse 10.2, mit der sie sich auf Polnisch unterhalten konnte. Begleitet vom Beifall der Schüler am Ende der Veranstaltung, übergab Frau Witaszek Ihre niedergeschriebene Lebensgeschichte als Kopie der Schule.

Schlomo Samson zu Besuch im Reclam

Wir, die Klasse 10.5, sowie einige SchülerInnen der 9. Klassen hatten am Dienstag, den 21.04.2015, die Möglichkeit den ehemaligen Leipziger Schlomo Samson kennen zu lernen.

Da er einige Tage zu Besuch in Leipzig war, um an den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager teilzunehmen, war der 91-jährige Israeli dazu bereit, uns sein neues Buch vorzustellen, über einige seiner Erfahrungen zu erzählen und unsere Fragen zu beantworten.

Schlomo Samson wurde 1923 in Leipzig geboren und lebte, bis seine Familie von der NS-Diktatur 1938 auseinandergerissen wurde, auch dort. Er wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung bzw. seines jüdischen Glaubens und eines harmlosen Schülerstreiches des Landes verwiesen und flüchtete nach Holland. Dort wurde er nach dem Einmarsch der dt. Wehrmacht erst in das Arbeitslager Westerbork, später nach Bergen-Belsen deportiert, wo er auf seine Mutter und seinen kleinen Bruder traf.

Herr Samson stellte sich als ein sympathischer, trotz des hohen Alters noch aktiver Mann heraus, welcher uns ausführlich und vor allem sehr sachlich von seinem Leben und seinen Erlebnissen erzählte.

Man kann abschließend sagen, dass alle Schüler und Lehrer von diesem interessanten Zusammentreffen neue Eindrücke und neues Wissen bezüglich des wohl dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte mitnehmen konnten.

Wiebke Richter und Lisa Cernohorsky Oliveira, 10.5