Kritische Stimmen meinen es sei nur ein Spiel

Aus der hintersten Ecke meines Kleiderschrankes holte ich mal wieder meinen schwarzen Anzug hervor. Klar – es ging nach Belgien zum MEP BSR (ausgesprochen auf Deutsch: Baltisches Modell Europa Parlament). Kritische Stimmen sagen, es sei nur ein einfaches Spiel. Doch dieser Gedankengang kommt mir höchst seltsam vor. Oder haben Sie schon mal einen Sechzehnjährigen im Anzug nach Belgien fliegen sehen, um sich mit Freunden zum Spielen zu treffen? Wohl kaum. Ich bilde da auch keine Ausnahme – ich fuhr nicht zum Spielen nach Belgien.

Man sieht schon sehr seriös aus, in so einem schwarzen Anzug mit Krawatte. Ein bisschen zu seriös? Auf keinen Fall zu seriös war die Atmosphäre zwischen uns Jugendlichen in Belgien. Wir kamen natürlich aus den Ländern, die an die Ostsee grenzen, also aus Lettland, Estland, Schweden, Finnland, Deutschland und weiteren Staaten. Aber auch aus Norwegen und Serbien kamen Delegationen. Beide Länder scheinen ein bisschen weit her geholt, im wahrsten Sinne des Wortes, zumal sie noch nicht mal Teil der Europäischen Union sind. Jedoch waren sie eine sehr große Bereicherung für das MEP BSR.

Meine Delegation, das sind Miriam, Henri, Julius, Jonas, Thomas H., Adrian, Till, Simon, Schayan und mir. – oder ich? Keine Ahnung, das Deutsch wurde sowieso vernachlässigt. Amtssprache wurde Englisch. So wurden die Fragen gestellt, so wurde gegrüßt, so wurde kommuniziert. Und wenn man wirklich lange, einen ganzen Tag nur englisch redet, dann beginnt man auch mit den eigenen Landsleuten so zu reden. Auch sonst herrschten in der deutschen Delegation nicht wirklich deutsche Standards – die Frauenquote lag unter 1/10. Eigentlich wäre sie ja 2/12, doch leider konnte Charlotte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Felix war auch dabei, jedoch als AV des Ausschusses für Landwirtschaft. Er war unser Ältester und auch der, der am meisten MEP Erfahrung hatte. Wir kamen aus ganz Deutschland, vom Saarland, bis Sachsen, von Baden Württemberg bis nach Schleswig Holstein. Da man uns Jugendlichen offensichtlich kein gutes Benehmen nachsagt (nicht ganz zu Unrecht) hat uns Frau Kruschel, aus Leipzig begleitet. Sie war also unsere Mutti für die Zeit, die wir zu allem fragen konnten. Durch ihre 14 Jährige Erfahrung bei MEP´s rund um Europa war sie in ihrer Rolle schon geübt.

Trotzdem waren wir größtenteils auf uns allein gestellt, denn die Lehrer hatten ihr eigenes Programm. Drei Tage lang haben wir also in einer Schule in unseren  sechs Ausschüssen gesessen. Dem aufmerksamen Leser fällt jetzt vielleicht auf: “Ihr wart doch ursprünglich 12 Delegierte…, auf sechs Ausschüsse?“ Das muss ich sagen, war auch ein riesen Vorteil. Wir saßen immer (mit einer Ausnahme) zu zweit in einem Ausschuss. So konnten wir uns austauschen und wegen Vokabeln fragen. Aber wenn wirklich mal eine Vokabel fehlte, musste man einfach die Sache umschreiben. Es war ja fast egal wie viele grammatische Fehler man machte – wichtig war, dass man sich ausdrücken konnte.

Österreich war interessanter Weise auch vor Ort. Objektiv gesehen hat ja Österreich gar keine Verbindung zur Ostsee, nur wenn es sich mit Deutschland verbinden würde… Auch deshalb hatten die anderen Länder ein besonderes Auge auf unsere zwei Delegationen, die der Ösis und unserer. Deutschland spielte übrigens eine gewisse Sonderrolle – es war Bestandteil vieler humorvoller Witze. So wurde auf die deutsche Rationalität, Korrektheit und Sprache angespielt. Deutschland war bei den einen sehr angesehen, andere zeigten mit dem Finger auf uns. „Wenn Deutschland in der EU was durchsetzen will, kann es das auch, es ist zu mächtig“ (Zitat Österreich). Eine Finnin gestand mir jedoch, dass Angela Merkel zu ihren größten Vorbildern zählt. So etwas habe ich noch nie, selbst von keinem Deutschen, gehört.

Natürlich merkte man auch, von wem und mit welchen Motiven das MEP BSR veranstaltet wurde. Spätestens als wir in einer Tüte unseren persönlichen „European Passport“ erhielten wussten wir, dass uns hier der Weg der europäischen Einigung nahegelegt wird.

Ich habe mich nicht zum Spielen nach Belgien begeben, vielmehr um mich weiterzubilden. Um Erfahrungen zu sammeln, um dazu zu lernen. Um Kontakte zu knüpfen und um mein Englisch zu verbessern. Um im Europäischen Parlament eine Rede zu halten. Um mir meine Meinung von Europa zu bilden, um am Baltischen Modell Europaparlament teilzunehmen.

Ich habe sehr, sehr viel gelernt, es war eine tolle Zeit. Danke!

Thomas Duesmann (Delegationssprecher)

Modell Europäisches Parlament 2013

Wir grüßen herzlich das Präsidium
und alle anderen hier im Plenum
gefolgt von allen Delegierten
die einfach in dies Amt marschierten

natürlich möchten auch WIR
grüßen die netten Gäste hier
aus Politik und anderen Bereichen
dass müsste jetzt aber auch reichen.

Guhdn daach

oah isch werd bleede
jez  mussch hier haldn eene reede

wir haben uns ein Theater Stück ausgedacht
und dies auch zu Papier gebracht
doch leider erfuhren wir danach
das dies den vorgegebenen Zeitraum brach

deshalb entwarfen wir dies schreiben
um euch nun mal kurz zu zeigen
das auch Sachsen fleißig sind
und auch ihnen was gelingt.

wie gesagt ihr wisst bescheit
aus Sachsen kamen wir geeilt
mir vertreedn das Flachland von nebenan
jetzt rahded mal wer da nur sein kann?

oah isch Kriesch Ne meese
so viel Gäse
15 Kilo pro koppe
da werdsch hoppe

doch was uns aufgefallen ist
der Käse den man immer isst
des meistens gar nicht niederländisch ist.
und wenn erst einmal kommt daher
dann ist es Gouda oder edamer


Beim Fußball trachen sie orange Stulpen
ihr wahres Talent sind aber Tulpen
ganz abgesehen von der Farbe
sind sie einfach nur Versacher

orange trägt man in Sachsen nur
als Arbeiter der Müllabfuhr


Mit dem Fahrrad fahrn sie gerne
aber wenn's geht in die ferne
der Niederländer weicht da aus
auf's befahrbare Haus.

Mit nur 1050 Mühlen
regt sich`s in deren Glücks Gefühlen
wenn sie in Sachsen eine sehn
die bei uns viel mehr rumstehen

am Ende sind wir angekommen
und haben unser Ziel erklommen
die Rede ist ganz gut gelungen
wir hätten sie auch gern gesungen
doch leider fehlte uns die zeit
und keine Melodei stand uns bereit

am Ende wollen wir ihnen einen Rat erteilen
den sie können leben oder teilen
den ich in der Zeitungen las
Ohne Gras kein Spaß

Dankesrede