19.11.2012

Die Abschiedsparty, welche in Matans Haus gefeiert wurde, eröffnete den letzten Tag des Austauschs auf eine erfrischende und spaßige Art und Weise.

Erst am Morgen, als wir uns alle zum Frühstück in der Schule trafen, erkannte man Trauer in den Gesichtern aller Schüler - sowohl Deutsche als auch Israelis. Denn der Abschied nahte.

Als schließlich der Bus kam, um uns alle zum Flughafen zu fahren, rollten die ersten Tränen, da Roi und Shachar uns eher verlassen mussten. In einer ergreifenden Ansprache verabschiedeten sie sich und man versprach sich ein Wiedersehen.

Im Bus hielt die traurig-gespannte Stimmung an, da jeder wusste das der Abschied kurz bevor stand. Dennoch wurde tapfer gelächelt und von den gemeinsamen Erfahrungen geschwärmt.

Als wir den Bus verließen schien uns die warme Sonne Israels ein letztes Mal ins Gesicht, als wolle sie uns überzeugen zu bleiben.

Und als sich alle in die Arme fielen um sich zu verabschieden war uns allen bewusst: das würde nicht das letzte Mal gewesen sein; wir würden uns wieder sehen, da wir Freundschaften und Bindungen aufgebaut hatten, welche auch über zwei Kontinente hinweg bestehen werden.

Die Erfahrungen, welche wir in diesem ebenso einzigartigen, wie bezaubernden Land gemacht haben, haben uns geprägt und verbinden uns für immer.

Denn trotz der schrecklichen Ereignisse, welche momentan in Israel statt finden, haben wir eine wundervolle und unwiederbringliche Zeit zusammen verbracht.

Wir haben verstanden und gefühlt was in diesem Land passiert und wie sich die Menschen dort fühlen; wir erfuhren direkt und erbarmungslos wie nah und allgegenwärtig der Krieg in diesem Land ist, als unser lieber Freund und Lehrer Ori uns verließ um im Gazastreifen für sein Land zu kämpfen.

So war der Abschied am Flughafen mehr als der Abschied von Austauschschülern, er war der Abschied von guten Freunden, die man zurückließ ohne zu wissen ob sie oder ihre Familienmitglieder nach Gaza müssen und wie es ihnen ergehen wird.

Somit verlassen wir dieses unglaubliche Land mit gemischten Gefühlen: man fliegt seiner Heimat, seiner Familie, seinen Freunden und der Sicherheit entgegen und lässt dabei ebenso gute Freunde und eine zweite Heimat zurück, mit ständiger Sorge um die Menschen, die man ins Herz geschlossen hat.

Wir alle sind an den Ereignissen und Erfahrungen gewachsen und kommen nun mit mehr Wissen, und oftmals einem anderen Blick auf die Dinge zurück in unser Heimatland, mit der Hoffnung im Herzen, diese einzigartigen und liebenswerten Menschen möglichst bald wieder zu sehen!

Die Tränen waren kaum getrocknet, als wir dem Sicherheitsbeamten bereits erneut alle Details zu der vergangenen Woche darlegen mussten, was die Situation nicht vereinfachte. Doch auch nach vielen, nervenaufreibenden Sicherheitskontrollen und Befragungen, konnten wir unsere Lieben noch nicht wieder in die Arme schließen, da unser Flieger nach München Verspätung hatte und daraus resultierte das wir die Abflugzeit verpassten und eine Stunde im Flieger sitzend warten mussten, da aufgrund der aktuellen Situation alle Flüge bestimmten Zeitfenstern unterlegen sind. Erfolgt der Start nicht in diesem Fenster, so muss man warten bis man erneut die Startfreigabe erhält - in unseren Fall 60 lange Minuten.

Dennoch gelang es uns den Anschlussflug zu erwischen und schließlich und endlich war das Wiedersehen in Leipzig gegen 23 Uhr wunderbar!

Nun kehren wir in den deutschen Alltag zurück und können die Ereignisse nur noch über die Medien und die Berichte verfolgen.

Der Abschied fiel schwer, doch die Hoffnung auf ein Wiedersehen und einen guten Ausgang des aktuellen Geschehens lassen uns nach vorn blicken, zaubern uns ein tapferes Lächeln ins Gesicht und lassen unsere Herzen im Rhythmus von „One Day“ von  Asaf Avidan schlagen.

Schalom Herzliya, Team Ori will be back!

Franziska Schulze