18.11.2012

Dieser Tag beginnt mit dem bereits gewohntem Verpassen der Linie 29, der Bus, der uns in Herzeliya überall hinbringt, wie mir Matan, mein Austauschschüler bereits am ersten Tag eingebläut hat. Eine umso nettere Überraschung für diese Morgen, dass auf einmal Sascha, eine lächelnde Israelin mit ihrem Fahrschullehrer vor uns an der Bushaltestelle steht und uns zuwinkt einzusteigen. Sie geht auch auf die Harishonim High School und nimmt uns deshalb mit. Zu Fünft mit noch einem andere Fahrschüler gequetscht, hören wir im Radio Nachrichten von neuen Raketenalarmen gefolgt von Wonderwall/Oasis.

In der Schule erwartet uns ein etwas quälender langgezogener Vormittag. Alle versuchen so schnell wie möglich ihre Präsentationen über eine Minderheit abzuschliessen, bis plötzlich das Alarm läutet und alle Schüler in den Schutzraum der Schule strömen. Alle schreien hektisch durch einander, aber wir sind vorher aufgeklärt wurden und es

handelt sich nur um einen Probealarm. Dann stehen die Abschlusspräsentationen vor uns. Alle am Austausch

beteiligten Lehrer versammeln sich, sowie unsere deutsch-israelische Gruppe. Nur einer fehlt – Ori, der beliebte Lehrer und mittlerweile fast Freund, wurde in die Armee eingezogen, seine Name bedeutet „mein Licht“, und das fehlt nun, das merken alle, auch wenn die Sonne einen angenehmen Tag verspricht. Nach erfolgreicher Arbeit, haben wir nun ein wenig Freizeit, die Deutschen machen sich auf die erbitterte Suche nach Postkarten, während die israelische Hälfte ein paar Unterrichtsstunden nachholt. Für den Nachmittag verabreden sich alle, auf deutschen Wunsch, am Meer. Es ist unser letzter Tag und wir müssen das wunderbare Klima noch einmal so richtig genießen, in dem wir uns in Wasser stürzen. Dabei ist es uns egal, dass wir weder Schwimmsachen noch Handtücher dabei haben, wir als gewohnte Ostseebader. Die Israelis hingegen, bleiben lieber draußen, 20° Wassertemperatur ist Ihnen dann doch ein wenig zu kalt. Sie kümmern sich um genügend Essen und bestellen ein paar super leckere Pizzen zum Strand. Es wird dann zwar doch frischer als gedacht, aber mit Pizza und warmen Cranberrytee wärmen wir uns auf und lassen es uns gut gehen. Ein letztes Mal Sunset, ein letztes Mal Meer, dann laufen wir nach Hause, unterwegs

mit der Buslinie 29 natürlich, mit Sand in den Schuhen und Salz auf der Haut! Nachhausewege sind für mich und meinen Austauschschüler immer der ultimative Kummerkasten, wir redeten über alles. Das vermisse ich heute.

Dann heißt es auch schon ein letztes Mal „Yala yala“ (Schnell schnell!). Unser Plan lautet: Duschen (2x), die Austauschlehrer empfangen, die aus Amsterdam zurückkehrende israelische Großmutter empfangen, den Grill anschmeissen und das Essen vorbereiten und dann die anderen Austauschschüler empfangen... den Matans Haus wird heute Abend, zur Location für das Abschlussessen.

Dann nachts um halb 2, fange ich an meinen Rucksack zu packen und mein Zimmer aufzuräumen. Das war ein schöner Tag, in meinem Reisetagebuch finde ich später aber nur einen Satz: „ Ich will nicht gehen!!!!!!!!“.

Nele Hartmann