12.11.2012

Der grosse, schwere Rucksack auf meinem Ruecken macht mir bewusst, dass es losgeht. Immer wenn ich sein Gewicht spuere habe ich das Gefuehl, dass die Welt vor mir offen liegt und dass eine unvergessliche Zeit auf mich zukommt. Es ist schoen, wieder unterwegs zu sein.

Die Sonne geht gerade auf, als das Flugzeug abhebt. Wir fliegen nah Israel, Herzlija. Mehr als ein Jahr lang haben wir unsere Austauschschueler nicht mehr gesehen, und jetzt liegt sie ploetzlich so nah, die eine Woche in dieser anderen, fuer uns alle unbekannten Welt.

Schon beim Landeanflug  sehen wir den Unterschied: Alles ist ein bisschen erdfarben hier, die ganze Landschaft. Und es gibt Berge, und das Meer...

Am Flughafen werden uns Fragen gestellt. "Was wollen Sie in Israel? Wie lange bleiben Sie? Sind Sie juedisch?", fragt die Frau im Glaskasten mit monotoner Stimme. "Wegen des Schueleraustausches. 8 Tage. Nein". Ich hoffe, ich habe jetzt nichts falsches gesagt... aber ich werde durchgewinkt, anscheinend habe ich niht den Eindruck einer Terroristin erweckt. Einen Stempel kriege ich noch in meinen Pass, nach Syrien kann ich jetzt also vorerst nicht mehr.

Wir treten durch die Tuer in die Empfangshalle, sehen all die bekannten Gesichter und es ist, als waeren wir nie getrennt gewesen.

"Shalom, Shalom, how are you?" und alle Namen werden durcheinandergerufen. Dann steigen wir in den Bus und fahren an Palmen vorbei nach Herzlija. Den kalten Herbst haben wir in Deutschland zurueckgelassen.

Wir sprechen noch kurz in der Schule das Programm durch, dann gehoert der Nachmittag uns/ Keren stellt mich ihren Freunden vor, die ganz begeistert sind, wenn ich ein Wort auf hebraeisch sage. Yuhu, ich hab also doch nicht alles vergessen in dem einen Jahr!

Zu Hause hauen wir uns aufs Bett und erzaehlen uns erstmal, was sich alles veraendert hat. Berufswuensche und Beziehungen, ein paar Frisuren, ein bisschen die Sicht auf das Leben und Keren hat ihren Fuehrerschein. Es ist ein bisschen merkwuerdig, neben ihr im Auto zu sitzen, durch die Strassen Israels zu fahren und Asaf Avidan mitzusingen. Es zeigt, wie wir erwachsener geworden sind  und doch irgendwie noch gleich ist.

Nina Temann